Im zweiten Jahr Corona haben sich die meisten daran gewöhnt, Abstand zu halten. Sich zur Begrüßung die Hände zu geben oder gar in den Arm zu nehmen, erscheint vielen wie eine Erinnerung aus vergangenen Zeiten. Müssen wir Berührung erst wieder lernen?
In der Filmreihe FASS MICH NICHT AN! geht es um Filme, in denen das Aushandeln von Nähe und Distanz, die Angst vor und der Wunsch nach Berührung eine Rolle spielen. Wo Menschen ihre Körperlichkeit erleben, kann auch das eine spirituelle Erfahrung sein.

Alle Filme laufen im Kommunalkino City 46, Birkenstraße 1 (Herdentor).

Neben der Filmreihe gibt es auch andere Veranstaltungen unter Beteiligung des Arbeitskreises, die hier aufgeführt sind.

14. September 2021, 18:00

BODY OF TRUTH

D / CH 2019, Regie: Evelyn Schels, 96 Min. 

Wenn uns alles genommen wird, was bleibt uns dann noch? Filmemacherin Evelyn Schels porträtiert vier Künstlerinnen, die ihren Körper als Werkzeug ins Zentrum ihres Schaffens stellen. Sei es Marina Abramovi?s extreme Performances, Sigalit Landaus` Installationen, Katharina Sieverdings Fotographien oder die Film- und Fotokunst von Shirin Neshat. Sie alle zeigen auf unterschiedliche Art und Weise, wie die Themen Körper, Politik, Gesellschaft und Kunst miteinander verwoben sind. Alle vier Künstlerinnen wurden durch ihre persönlichen Erfahrungen mit Krieg, Gewalt und staatlicher Repression politisiert. Bis heute sind diese biographischen Einflüsse in ihrer Kunst sichtbar.

Einführung: Diemut Meyer

12. Oktober 2021, 18:00

TOUCH ME NOT

RUM/D/CS/BUL/F 2018, Regie: Adina Pintilie, mit Laura Benson, Tómas Lemarquis, 125 Min., engl. OmU

Welche Vorstellungen von Intimität prägen unser Zusammensein? Welche Rolle spielt körperliche Nähe dabei? Ohne zu werten begleitet »Touch Me Not« drei Personen bei der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Sexualität. Bestehende Perspektiven werden hinterfragt, körperliche Tabus gebrochen und neue Sichtweisen von Nähe und Intimität eröffnet. Fiktion und Realität verweben sich durchgehend. Neben klassischen Interviewsituationen, zeigt der Film seine Protagonist*innen auch bei Workshops zur Körperwahrnehmung, mit Callboys und in BDSM-Swingerclubs. Im Fokus stehen hier immer die Sehnsucht nach körperlicher Nähe sowie die Unfähigkeit dazu. »Selten hat ein mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale ausgezeichnetes Werk derart emotionale und kontroverse Reaktionen hervorgerufen.«

Einführung: Dirk von Jutrczenka


15. November 2021, 09:00

VERSIEGELTE ZEITEN UND DIE SUCHE NACH SINN

BILDUNGSZEIT mit Karl-Heinz Schmid

Der Film als Kunstprodukt der Moderne hat sich im Laufe seiner über 100-jährigen Geschichte in technischer, künstlerischer und inhaltlicher Hinsicht stark entwickelt und ausdifferenziert. Ein Aspekt dieser Entwicklung ist die Herausbildung einer spirituellen Grundhaltung in Filmen insbesondere seit den 50er-Jahren.

Regisseure wie Yasujiru Ozu, Robert Bresson, Andrej Tarkowski, Ingmar Bergman und andere haben einen „transzendentalen Stil“ geschaffen, der in der Kombination von persönlichen Geschichten und filmischen Mitteln die Zuschauer*innen auf einer bis dahin nicht vorhandenen Ebene anspricht. Damit sind nicht explizit religiöse Filme gemeint, sondern Werke, die eher private Geschichten erzählen, rational nicht erklärbare Erfahrungen widerspiegeln, sich existentiellen Fragen des Lebens öffnen und Themen wie z.B. Intuition ansprechen.

Neben einem groben Überblick über spirituelles Filmschaffen wird die gemeinsame Analyse zentraler Filme im Mittelpunkt stehen.

 


23. November 2021, 18:00

SHAPE OF WATER

USA 2017, Regie: Guillermo del Toro, mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Octavia Spencer, Doug Jones, 123 Min., OmU

USA, 1962: die stumme Elisa Esposito arbeitet während des Kalten Krieges als Putzfrau in einem Hochsicherheitslabor, als sie eine unglaubliche Entdeckung macht. Colonel Strickland hält dort ein mysteriöses Wasserwesen gefangen, um es unter strengen Geheimhaltungsregeln zu erforschen. Die gewalttätigen Experimente sollen den amerikanischen Wissenschaftlern unter anderem dabei helfen, das Rennen um die Mondlandung zu gewinnen. Bereits bei ihrer ersten Begegnung fühlt sich Elisa zu dem seltsamen Amphibienmann hingezogen und fängt an ihn regelmäßig heimlich zu besuchen. Schnell kommen die beiden sich näher und Elisa fasst einen folgenreichen Entschluss: Sie will ihn aus dem Labor befreien. Gemeinsam mit ihrem Nachbarn Giles gelingt es Elisa, dem Amphibienmann zur Flucht zu verhelfen. Doch das Militär ist ihnen dicht auf den Fersen. 
Gewinner des Goldenen Löwen / Filmfestival Venedig; 2 Golden Globes u.a. beste Regie

Einführung: Heinz-Martin Krauß


14. Dezember 2021, 18:00

DIE ANONYMEN ROMANTIKER

F / BEL 2010, Regie: Jean-Pierre Améris, 80 Min.

Ein Mann und eine Frau, die beide hochempfindsam auf ihre Umwelt reagieren, lernen sich kennen, als sie, eine begnadete Chocolatière, als neue Verkaufsleiterin in seiner finanziell angeschlagenen Schokoladenmanufaktur zu arbeiten beginnt. Über eine Reihe charmanter Missverständnisse kommen sie sich schließlich näher. Eine liebenswert-turbulente Liebesgeschichte mit anrührend gezeichneten Hauptfiguren im Stil klassischer Screwball-Comedies; augenzwinkernd und durchaus anrührend spürt sie der Reibung ihrer Protagonisten nach. – Ab 14.

Einführung: Louis-Ferdinand von Zobeltitz


18. Januar 2022, 18:00

KÖRPER UND SEELE

Ungarn 2017, Regie: Ildikó Enyedi, 116 Min.

Der introvertierte Finanzdirektor eines ungarischen Schlachthofs und eine autistisch erscheinende Qualitätsprüferin erfahren durch Zufall, dass sie etwas gemeinsam haben. Die Erkenntnis führt die beiden dazu, sich auch im Leben aufeinander zuzubewegen. Während der ältere Mann verdrängte Gefühlsregungen wachrufen muss, bemüht sich die Frau, dem ihr unbekannten Phänomen der Liebe mit akribischem Studium gerecht zu werden. Eine subtil entwickelte Romanze in fein komponierten Bildern, die mit großer inszenatorischer Meisterschaft und hervorragenden Darstellern von einer allmählich wachsenden Leidenschaft erzählt. Voller bezaubernder Details spürt der Film dem Wesen der Liebe nach, wobei sich surreale Momente, skurriler Humor und einfühlsame Beobachtungen die Waage halten. – Sehenswert ab 16.

Einführung: Dirk von Jutrczenka


08. Februar 2022, 18:00

RHYTHM IS IT!

Deutschland 2004, Regie: Thomas Grube, 104 Min.

Im Rahmen eines von der Berliner Philharmonie und des Dirigenten Simon Rattle initiierten Projekts planen Musiker und Choreografen die Aufführung des Balletts „Le Sacre du printemps“ mit einer Gruppe von 239 Kindern aus fünf Berliner Grund- und Oberschulen. Das Projekt zum Abbau von Schwellenängsten vor dem Kulturbetrieb gelingt und wandelt die Gruppe von skeptischen Einzelgängern zum begeistert arbeitenden Team. In fesselnden Bildern veranschaulicht der mitreißende Dokumentarfilm den mitunter beschwerlichen kreativen Schaffensweg. Die eingängige Dramaturgie zeigt den Lernprozess an einigen besonders exzentrischen Schülern auf und beschreibt eine nachahmungswürdige Erfolgsstory. (Filmdienst)

Einführung: Ingeborg Mehser, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt


15. März 2022, 18:00

KUSS DER SPINNENFRAU

Brasilien/USA 1985, Regie: Hector Babenco, 124 Min.

In der Zelle eines südamerikanischen Gefängnisses begegnen sich ein politischer Häftling und ein Homosexueller, der sich für die schwülstig-kitschige Traumwelt eines Propagandafilms begeistert. Auf engstem Raum entwickelt sich eine Freundschaft, die den einen die Kraft zu lieben und hoffen, den anderen Würde gewinnen läßt. Einfühlsam inszenierte und hervorragend gespielte psychologische Studie, die auf vielschichtige Weise Sehnsüchte des Menschen und sein Recht auf Träume, Achtung und Individualität behandelt. (Filmdienst)

Einführung: Heinz-Martin Krauß, Nebelthau-Gymnasium


22. März 2022, 19:30

IN DEN STRASSEN VON PARIS

Vortrag mit zahlreichen Filmausschnitten zur Ausstellung ÜBERGANGENES http://kirche-bremen.de/uebergangenes

Welche Bilder verbergen sich in alten Zebrastreifen? Angelehnt an die entsprechenden Fotografien von Manfred Koch stellt Karl-Heinz Schmid, ehemaliger Co-Leiter des Kommunalkinos City 46, in seinem Vortrag ausgewählte Filme aus den Straßen von Paris vor: weniger die prachtvollen Boulevards als unauffällige Straßen, die Touristen in Paris üblicherweise nicht sehen, wo überraschende und unerwartete Dinge passieren. Der Vortrag reicht von Filmen, die entstanden, als es noch keine Fußgängerüberwege gab, bis zu solchen, die in eine Zukunft reichen, wo es möglicherweise keine mehr geben wird. Und ebenso vielfältig sind auch die Film-Genres, die der Vortrag berührt.

forum Kirche, Hollerallee 75
Eintritt frei


05. April 2022, 18:00

DIE HÄNDE MEINER MUTTER

Deutschland 2016, Regie: Florian Eichinger, 106 Min.

Während einer Familienfeier wird ein verheirateter Mann von verdrängten Kindheitserinnerungen überwältigt. Auslöser ist eine unbedeutende Verletzung seines kleinen Sohns, die ihm schlagartig in Erinnerung ruft, dass er von seiner eigenen Mutter als Junge missbraucht wurde. Die schmerzhaften Folgen dieses Traumas, die Auseinandersetzung mit dem Tabu und dessen Bearbeitung lotet der Film fast naturalistisch, aber nicht ohne (Galgen-)Humor und einige ungewöhnliche inszenatorische Kunstgriffe bis in letzte psychologische Winkel aus. Der überzeugende Hauptdarsteller trägt den Film mit seinem zurückgenommenen, sehr glaubwürdigen Spiel.

Einführung: Dirk von Jutrczenka, forum Kirche


10. Mai 2022, 18:00

GOLIATH96

Deutschland 2018, Regie: Marcus Richardt, 105 Minuten 

Eine alleinerziehende Mutter hat den Kontakt zu ihrem Sohn verloren, der sich in seinem Zimmer verbarrikadiert. Durch einen Online-Chat in einem Forum über Drachenbauen will sie sich ihm unter falscher Identität wieder annähern. Das kammerspielartige Mutter-Sohn-Drama arbeitet in konzentrierter Form heraus, welche Dynamik Beziehungen im Internet entwickeln, bei der Identität des Gegenübers im Vagen bleibt.

Einführung: Louis-Ferdinand von Zobeltitz


14. Juni 2022, 18:00

IM AUGUST IN OSAGE COUNTY

USA 2013, Regie: John Wells, 121 Minuten

Ein erfolgreicher, dem Alkohol verfallener Schriftsteller nimmt sich das Leben, auch um seiner Ehefrau zu entkommen. Zur Beerdigung reist seine Familie an, im Gepäck eine Anhäufung von Krisen, Lebenslügen und offenen Rechnungen. Ein furioses Familiendrama, bei dem sich steif gegenüberstehende Figuren messerscharf formulierte Dialoge an den Kopf werfen und Schicht um Schicht alle Masken abstreifen, bis man vor einem Abgrund aus Boshaftigkeit, Misanthropie und Inzest steht.

Einführung: Ingeborg Mehser, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt