Im ersten Halbjahr des Jubiläumsjahres der Reformation zeigen wir eine Reihe von Filmen, in denen evangelische PfarrerInnen im Mittelpunkt stehen.
Die Filmreihe wird durch einen Vortrag von Karsten Visarius, Leiter des Filmkulturellen Zentrums im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (Frankfurt/M.), eröffnet.


24. Januar 2017, 20:30

ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE. PFARRERFIGUREN IM FILM

Vortrag mit Filmbeispielen von Karsten Visarius, Frankfurt/M.

Das Kino hat den evangelischen Pfarrer nur selten porträtiert. Nur in den skandinavischen Ländern hat sich ein „Subgenre“ des „Pfarrerfilms“ entwickelt, in dem Pfarrer meist Zerrissene, Gescheiterte oder wunderliche Außenseiter verkörpern. Im deutschen Film haftet ihm gerne etwas Didaktisches an bzw. muss er historisch-politische Konfliktlagen spiegeln. Das ganze Spektrum der Kinopfarrer kennt aber auch den Helden der Kleinstadt, der dem Guten zum Sieg verhilft wie im amerikanischen Film.

Karsten Visarius ist Leiter des Filmkulturellen Zentrums der EKD im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik


28. Februar 2017, 19:30

DIE NACHT DES JÄGERS

(USA 1955, Regie: Charles Laughton)

„Love“ steht auf den Fingern der einen, „Hate“ auf denen der anderen Hand. Unbarmherzig schwingt das Pendel zwischen Liebe und Hass. Zwei Kinder tragen ein Geheimnis mit sich und werden deshalb von einem falschen Wanderprediger gnadenlos gejagt. Mit seiner einzigen Regiearbeit hat Schauspiel-Titan Charles Laughton einen Monolith in der Filmgeschichte hinterlassen, der ohne Vergleichsgrößen geblieben ist. The Night of the Hunter ist geschliffenes Meisterwerk, packender Psychothriller und komplexe Grübelei über die Manipu- lierbarkeit von Menschen in einem. Dabei verbindet der Film gekonnt die Traditionen des europäischen Stummfilms mit der Eleganz Hollywoods. Während der Dreharbeiten hat Laughton seinen Hauptdarsteller Robert Mitchum derart an die Grenzen getrieben, dass dieser jahrelang nichts mehr mit dem Regisseur zu tun haben wollte. Als der Film zur Premiere kam, erntete er viel Empörung – heute steht seine Meisterschaft außer Zweifel.

THE NIGHT OF THE HUNTER (1955) directed by Charles Laughton and restored by the UCLA Film and Television Archive in 2001. Robert Mitchum as Preacher Harry Powell is pictured.

Einführung: Karl-Heinz Schmid


28. März 2017, 19:30

LICHT IM WINTER

(Schweden 1963, Regie: Ingmar Bergman)

Pastor Ericsson begeht ein Sakrileg. Als ihm das zu Depressionen neigende Gemeindemitglied Persson seine Ängste vor einem Atomkrieg offenbart, bricht aus ihm heraus, dass er längst selbst schon nicht mehr an einen Gott glauben könne, der all die Grausamkeiten ringsum zulässt. Der abgewiesene Persson erschießt sich wenig später. Ericssons eigene Krise steigert sich damit ins Unerträgliche. Er findet jedoch zu einer Revision seiner Glaubensgrundsätze. Licht im Winter bildete den Mittelteil von Bergmans „Kammerspiel-Trilogie“. In dieser versuchte Bergman, individuelle Irritationen durch die aktuelle Weltpolitik mit universellen Fragestellungen nach der Wirksamkeit von Religiosität zu verknüpfen. Als Sohn eines Pfarrers war ihm der Film besonders wichtig. In seiner Autobiographie erinnerte er sich: „Unsere Erziehung beruhte hauptsächlich auf Begriffen wie Sünde, Bekenntnis, Strafe, Vergebung und Gnade – sie waren konkrete Faktoren in den Beziehungen von Eltern und Kindern zueinander und zu Gott.“

Einführung: Heinz-Martin Krauß


25. April 2017, 19:30

POST FÜR PASTOR JAKOB

(Finnland/Schweden 2009, Regie: Klaus Härö)

Weil Leila den Mann ihrer Schwester erschlagen hat, ist sie zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Unverhofft wird sie nach zwölf Jahren begnadigt, muss aber als Resozialisierungsmaßnahme eine Pflegestelle im Haushalt von Landpfarrer Jakob antreten. Jakob ist blind, er zieht sein seelsorgerisches Selbstwertgefühl aus der Beantwortung von Briefen, die ihm von Trostsuchenden aus dem ganzen Land zugeschickt werden. Da Leila das Vorlesen und Schreiben dieser Post als langweilig und sinnlos empfindet, dünnt sie die Korrespondenz systematisch aus. Die meisten Briefe wirft sie einfach in einen Brunnen. Zunehmend sieht der Pfarrer seine Legitimation schwinden und bereitet sich auf den Tod vor. In diesem Moment beschließt Leila, Briefe zu fingieren, um den Mann damit am Leben zu erhalten. Klaus Härö gehört zu den talentiertesten Regisseuren Finnlands. Seine oftmals preisgekrönten Filme stellen ethische Grundfragen, ohne sich dabei auf einfache Antworten zurückzuziehen.

Einführung: Ingeborg Mehser


23. Mai 2017, 19:30

IN DEINEN HÄNDEN

(Dänemark 2004, Regie: Annette K. Olesen)

Unmittelbar nach Abschluss ihres Theologiestudiums wird Anna als Pastorin in ein berüchtigtes Frauengefängnis versetzt. Bald muss sie feststellen, dass sie an der Universität nur ungenügend auf Wirklichkeiten wie diese vorbereitet wurde. Ihre ohnehin brüchige Autorität gerät vollends ins Wanken, als sie mit einem möglicherweise behinderten Kind schwanger wird. Konfrontiert mit der Frage, ob sie das Kind austragen soll oder nicht, verschieben sich Annas Wertmaßstäbe. Sie realisiert, wie schmal der Grat zwischen Normalität und Außenseitertum ausfällt. In deinen Händen firmiert offiziell als Dogma-Film 34, legt aber wesentlich mehr Gewicht auf inhaltliche denn auf formale Aspekte. „Ruhig und intensiv wie ein Vaterunser hat Annette K. Olesen ihren Film um Annas Entscheidung herum inszeniert und dabei auf die Dogma-üblichen Reißschwenks verzichtet.“ (Philipp Bühler, die tageszeitung).

Einführung: Diemut Meyer


20. Juni 2017, 19:30

ADAMS ÄPFEL

(Dänemark/Deutschland 2005, Regie: Anders Thomas Jensen)

Adam ist ein gewalttätiger, eben aus dem Gefängnis entlassener Rechtsradikaler, der zur Bewährung in der tiefsten dänischen Provinz bei Pfarrer Ivan einziehen muss. Dort angekommen, stellt er fest, dass außer ihm noch zwei weitere Delinquenten zurück auf den tugendhaften Weg geführt werden sollen: Tankstellenräuber Khalid und Alkoholiker Gunnar. Beide sind weit davon entfernt, irgendeine Form von Läuterung zu zeigen, was Pfarrer Ivan nicht ansatzweise zu bemerken scheint. Empört über diese Realitätsferne, versucht Adam, dem Gottesmann die Augen zu öffnen. Kompliziert wird die Lage, als Adams einstigen Nazi-Kumpels im Dorf eintreffen. „Ein postmodernes, gegen den Strich gebürstetes Verwirrspiel voller absurder Überraschungen, das eindimensionale Weltbilder hinterfragt und für Vielfalt und Menschlichkeit gegen alle Widerstände und Vorurteile plädiert.“ (Alexandra Wach, film-dienst).

Einführung: Louis-Ferdinand von Zobeltitz